Lehrgang Philosophie

Lesen Sie gerne Bücher oder Zeitungsartikel und stellen sich grundsätzliche Fragen, wie das in der Philosophie üblich ist? Sie schauen sich im Fernsehen Sendungen mit Bildungsinhalten an oder besuchen gelegentlich philosophische Vorträge und möchten nun einen Schritt weiter gehen: Sie möchten sich mehr fundiertes philosophisches Wissen aneignen, um mitdiskutieren zu können. Unsere Studierenden kommen von unterschiedlichen Ausbildungswegen her und sind offen für Neues.

Die Lehrgangs-Module

Metaphysik und Erkenntnistheorie
Die Erkenntnistheorie befasst sich mit der Frage, was der Mensch mit Sicherheit wissen, und was er nur vermuten oder glauben kann. Metaphysik ist die Beschäftigung mit der Frage, ob auch Dinge postuliert oder für existent erklärt werden sollen, die empirisch nicht begründbar sind – seien es gewisse Eigenschaften der erfahrbaren Welt oder des menschlichen Inneren oder seien es ausserweltliche Wesenheiten – und sie befasst sich mit den Beziehungen zwischen diesem Nichtempirischen und dem Empirischen. Metaphysik und Erkenntnistheorie stehen in einem manchmal harmonischen, manchmal widerstreitenden Verhältnis zueinander. Als ein Fazit kann die Einsicht gelten, dass es letzte Gewissheit im Bereich des Empirischen nur aufgrund der Gewissheit bestimmter metaphysischer Voraussetzungen geben könnte, dass aber solche Voraussetzungen unerweislich sind. Das Kursmodul verfolgt den Themenkomplex im Durchgang durch bedeutende Stationen der Philosophiegeschichte.
  • Erklärung der Begriffe, Vorsokratiker (Loslösung vom Mythos)
  • Heraklit und Parmenides – zwei Antipoden in Bezug auf das Sein
  • Atomisten und Sophisten – materialistische Welterklärung und Skeptizismus
  • Sokrates – dialektische Suche nach der Wahrheit
  • Platon – Ideenlehre und das Konzept der zwei Welten
  • Aristoteles – Revision von Platon, Hinwendung zum «Diesen da»
  • René Descartes – Vorrang der Vernunft vor der Erfahrung
  • David Hume – Vorrang der Erfahrung vor der Vernunft
  • Immanuel Kant – Versuch einer Versöhnung von Rationalismus und Empirismus
  • Wiener Kreis – Überflüssige Wesenheiten
Philosophie des Geistes
Hat der Mensch eine Seele? Wie entsteht Bewusstsein? Wie passen Gefühle, Gedanken und Wünsche in die Welt der Physik? Und wie hängen Gehirn und Geist zusammen? Diese Fragen stehen im Zentrum des Moduls. Die Inhalte der Einführung in die Philosophie des Geistes sind die folgenden:
  • Verständnis der zentralen Fragestellungen, Begriffe und Theorien über unser Bewusstsein und den Zusammenhang von Gehirn und Geist
  • Wichtige Philosophen: Platon, Aristoteles, Descartes, Leibniz, Spinoza, Carnap, Ryle, Putnam, Davidson etc.
  • Wichtige Theorien: Dualismus, Interaktionismus, Parallelismus, Neutraler Monismus, Epiphänomenalismus, Physikalismus, Eliminativismus, Identitätstheorie, Behaviorismus, Funktionalismus, Anomaler Monismus
Folgende Ziele stehen im Zentrum:
  • Einblick in einen der zentralen Teilbereiche der Philosophie gewinnen
  • Ein philosophisches Problembewusstsein entwickeln
  • Wichtige Begriffe, Differenzierungen und Argumentationen verstehen
  • Die bedeutendsten historischen Positionen über das Verhältnis von Körper und Geist kennen
  • Wichtige zeitgenössische Theorien des Geistes verstehen, kritisieren und einordnen können
Ethik
Im Modul «Ethik» findet eine Auseinandersetzung mit den beiden wichtigsten zeitgenössischen moralphilosophischen Ansätzen statt: mit dem Utilitarismus und der deontologischen Ethik Kants.

Vorbereitend werden u.a. folgende Fragen geklärt:
  • Sind moralische Fragen wahrheitsfähig?
  • Wie überzeugend sind Argumente für einen ethischen Relativismus?
  • Unterscheidet sich Moralität von aufgeklärtem, langfristigem Eigeninteresse?
  • Lassen sich moralische Aussagen auf naturwissenschaftliche Aussagen reduzieren, indem z.B. Moral als Produkt der Evolution gesehen wird?
In Exkursen werden die in der aristotelischen Tradition stehende Tugendethik, die Mitleidsethik Schopenhauers und die von Karl-Otto Apel und Jürgen Habermas vertretene Diskursethik beleuchtet. Die Leistungsfähigkeit der moralphilosophischen Konzepte wird an ausgewählten Fragen der angewandten Ethik geprüft. Ein eigenes Kapitel ist der Diskussion zeitgenössischer naturethischer Konzepte gewidmet.
Politische Philosophie und Sozialphilosophie
Dieses Modul führt ein in die bedeutendsten und interessantesten Fragen der Politik: Wie ist Herrschaft von Menschen über Menschen rechtfertigbar? Wer sollte regieren: alle oder nur wenige? Was ist politische Freiheit: wo liegen die Grenzen der Staatsgewalt? Welche Verteilung von Eigentum und Vermögen ist gerecht? etc.

Zur Sprache kommen dabei die Grundbegriffe und Grundprobleme, die das Vokabular und die Grammatik des politischen Denkens bis heute bestimmen: Herrschaft, Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit, Macht, Krieg. Der Kurs wird sich insgesamt an diesen zentralen Begriffen und Themenfeldern der politischen Philosophie orientieren. Auf der Grundlage historischer und zeitgenössischer widerstreitenden Argumentationen und Theorien zu diesen Grundbegriffen werden wir die wichtigsten politischen Denktraditionen kennenlernen.
Wir lesen kurze Textausschnitte aus der philosophischen Tradition, die als Basis für eingehende Diskussionen mit den anderen Teilnehmern dienen. Der Kurs soll das Bewusstsein für den Umgang mit Grundbegriffen der politischen Philosophie schärfen und zu einem eigenständigen Urteilsvermögen beitragen. Indem im Modul die Theorieinhalte mit aktuellem Zeitgeschehen verknüpft werden, können die Teilnehmenden das gelernte auch mit ihrem Lebensalltag und ihren persönlichen Erfahrungen verbinden.
Anthropologie und Existentialismus
Ziel des Moduls ist es, existenzphilosophische Fragen und Denkansätze kennenzulernen und in den jeweiligen historischen Kontext einzubetten. An den Kursabenden werden ausgewählte Textausschnitte, im Original und in erläuternder Darstellung, gelesen und diskutiert. Dabei setzen wir uns mit Fragen zu folgenden Aspekten menschlicher Existenz auseinander: Erfahrung von Angst, Freiheit, Verantwortung, Schuld, Kommunikation, Sinnsuche
  • Karl Jaspers: Philosophische Weltorientierung; Philosophische Existenzerhellung (Thema: Was ist Existenzphilosophie?)
  • Albert Camus: Der Mythos des Sisyphus; Die Pest; Der Fall (Thema: Die Suche nach Sinn)
  • Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra; Jenseits von Gut und Böse (Thema: «Moral für freie Geister»)
  • Max Scheler: Das Ressentiment im Aufbau der Moralen (Verbindung zu Nietzsches Moralkritik)
  • Jean-Paul Sartre: Das Sein und das Nichts. Versuch einer phänomenologischen Ontologie; Die Existenz ist ein Humanismus (Thema: Kritik der Metaphysik, menschliche Freiheit und Verantwortung)
  • Emmanuel Levinas: Totalität und Unendlichkeit; Zwischen uns: Versuche über das Denken an den Andern. (Thema: Was ist der Sinn des Menschlichen?)
  • Aktuelle Debatten: z.B. Anthropologische Konzepte in der Robotik
Logik und Wissenschaftstheorie
Im Zentrum dieses Moduls stehen die Frage nach der Gültigkeit von Argumenten und die Reflexion über wissenschaftliche Methoden. Die Einführung in die klassische Aussagen-Logik möchte Folgendes erreichen:
  • Verständnis der zentralen Fragestellungen und Begriffe der Logik sowie der Rolle, die die Logik für die Philosophie, andere Wissenschaften und die tägliche Kommunikation spielt
  • Kenntnis des Formalismus der klassischen Aussagenlogik
  • Wissen um die Strukturmerkmale, gültiger Argumente
  • Die Fähigkeit, die Methode der logischen Formalisierung in der Rekonstruktion und Kritik von umgangssprachlichen Argumenten anzuwenden
Die Ziele der Einführung in die Wissenschaftstheorie sind:
  • Einblick in einen der zentralen Teilbereiche der Philosophie gewinnen
  • Einige wichtige Positionen aus der Geschichte des Nachdenkens über Wissen und Wissenschaft kennen
  • Zentrale wissenschaftstheoretische Positionen kritisieren können
  • Eine explizierbare und rational legitimierbare Vorstellung von Wissenschaft, ihrer Methoden, Möglichkeiten und Grenzen erhalten
  • Erkenntnisse aus der Wissenschaftstheorie anwenden können, um:
  • Probleme in Diskussionen über Wissenschaft zu erkennen, zu analysieren und gegebenenfalls aufzulösen
  • Wissenschaft von Pseudowissenschaft zu unterscheiden
  • zur Evaluation wissenschaftlicher Behauptungen die richtigen Fragen zu stellen
Zusatzmodule
In unregelmässigen Abständen bieten wir für Absolventen des Lehrgangs Zusatzmodule zu einem bestimmten Thema an. Diese Module sind nicht öffentlich. Ehemalige Studenten finden hier mehr Infomationen.
Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiss alles besser.
Sokrates

Details

Dauer Der Kurs wird zweijährig geführt (3 Trimester jährlich).
1. Trimester: September bis Dezember
2. Trimester: Januar bis März
3. Trimester: April bis Juni

Der Einstieg ist in jedem Trimester möglich.

Der Lehrgang besteht aus 6 Modulen, die auch einzeln besucht werden können. Jedes Modul umfasst 10 Kursabende.
Aktuelles Modul Metaphysik und Erkenntnistheorie
Daten:
17. Oktober
24. Oktober
31. Oktober
7. November
14. November
21. November
28. November
5. Dezember
12. Dezember
19. Dezember
Beginn nächster Lehrgang 17. Oktober 2017
Anmeldeschluss
10. Oktober 2017
Zeit 19.15 bis 21 Uhr
Kursort Rösslimatte 48, Luzern
Kosten
CHF 300.– pro Modul
Ganzer Lehrgang CHF 1'800.–
Abschluss Nach vollständiger Absolvierung des Lehrganges verleiht die Philosophische Akademie Luzern ein Zertifikat.
Das Ärgerlichste in dieser Welt ist, dass die Dummen todsicher und die Intelligenten voller Zweifel sind.
Bertrand Russell

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